• Wenn die Last zu gross wird

Wenn die Last zu gross wird

15.02.2021

Schneemassen – Die starken Schneefälle Mitte Januar haben im Baselbiet private Schäden im Umfang von rund einer Million Franken angerichtet. Was bei hohem Schneedruck zu beachten ist.

Der nationale Pandemieplan war in den letzten Monaten zwangsläufig immer wieder im Gespräch – aber wer hat schon Kenntnis vom Gefährdungsdossier «Starker Schneefall», das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz im vergangenen November publiziert wurde? Es fokussiert auf die direkten Auswirkung starker Schneefällen in tieferen Lagen. Im Dossier werden Fallbeispiele, Szenarien, Auswirkungen und Risiken aufgezeigt. Es ist nur ein Papier, aber der Inhalt zeigt doch auf, dass sich die Behörden mit der Thematik befassen.
Und am 14. ∕ 15. Januar dieses Jahres erreichte prompt ein starkes Schneefallereignis auch den Kanton Basel-Landschaft. Bis zu 40 Zentimeter Schnee fielen in höheren Lagen in nur einem Tag, es gab Unfälle, umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und Strassen an exponierten Lagen mussten gesperrt werden. Starkschnee- Ereignisse gibt es auch im Baselbiet immer mal wieder. Im April 2019 fielen 13,5 Zentimeter innert kürzester Zeit, vor der Fasnacht 2006 war es ein halber Meter. 1931 wurden in Binningen 55 Zentimeter Neuschnee aufs Mal gemessen, bis heute der Rekord.

Nasser Schnee 10-mal schwerer
Die Problematik beim diesjährigen Gross-Schneefall: Die weisse Pracht war ziemlich nass – und damit enorm schwer. Feuchtnasser Altschnee ist bis zu 10-mal schwerer als ein Kubikmeter lockerer Neuschnee, der 30 bis 50 Kilogramm wiegt. Die Nässe erhöht die Schneelast auf Bäumen und auf Gebäudedächern also enorm. Und die Last kann Dachkonstruktionen eindrücken, oder das Dach kann sich verformen. Auch Risse in Wänden oder gar Verschiebungen sowie Schrägstellungen des Gebäudes sind möglich.
Etwas über 300 Schadenmeldungen an Gebäuden und Grundstücken seien im Zusammenhang mit dem Schneeereignis Mitte Januar bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV) eingegangen, sagt Stefan Grütter, Bereichsleiter Schadenmanagement. Er rechnet mit Gesamtschäden von rund einer Million Franken. «Seit dem grossen Schnee im März 2006 hatten wir kein solches Schneeschaden- Volumen mehr zu verzeichnen », ergänzt er.
Gebäudeschäden durch Schneedruck sind als Folge eines Elementarereignisses versichert. Im Baselbiet besteht zudem die Eigenheit, dass bei Elementarereignissen auch Grundstückschäden in den Versicherungsschutz eingebunden sind. Das schliesst auch beschädigte oder entwurzelte Bäume mit ein, wobei hier die Räumung und Entsorgung des beschädigten Baumes sowie die Neupflanzung eines Jungbaumes erstattet wird. Bei der Grundstückversicherung der BGV gilt ein Selbstbehalt von 600 Franken.

Rechtzeitige Räumung
Im Zentrum der Sicherung eines Gebäudes durch Schneedruck steht die korrekte Bemessung der Dachkonstruktion und des Tragwerks gemäss der SIA-Norm 261. Bereits erstellte, zu schwach dimensionierte Bauteile wie Vordächer oder Wintergärten müssen verstärkt werden, auch wenn dies meist mit beträchtlichen Investitionen verbunden ist. Im Zweifelsfall sollten Dächer, Terrassen, Pergolas usw. rechtzeitig von den Schneelasten befreit werden. Dies gilt auch für Photovoltaikanlagen, wenn die Gefahr besteht, dass sich die Unterkonstruktionen der Module verformen und das Dach beschädigt werden könnte. Arbeitende Personen müssen abgesichert sein, die Räumung sollte abschnittsweise und von verschiedenen Seiten erfolgen, um Stabilitätsprobleme durch eine einseitige Belastung zu vermeiden. Zur Sicherheit ist bei diesen Arbeiten ein Fachmann zurate zu ziehen.
Das Entfernen der Schneemengen nimmt nicht nur den Druck vom Dach, sondern verhindert auch Dachlawinen, die zur Gefahr für Fussgänger oder Fahrzeuge werden können. Zudem verhindert das Anbringen eines Schneefangs ein unkontrolliertes Abrutschen des Schnees. Beim Schneefang kann es sich um Schneestopphaken oder um Schneerückhaltesysteme wie Schneefanggitter und Schneefangrohre handeln. Die entsprechenden Systeme lässt man am besten schon beim Dachdecken montieren, aber auch eine Nachrüstung ist jederzeit möglich.

Daniel Schaub
Quelle u.a. hausinfo.ch

Wann kommt der Schnee?

«WetterAlarm» ist eine kostenlose WetterApp für die ganze Schweiz. Das zeitgemässe Präventionsmittel der kantonalen Gebäudeversicherungen liefert aktuelle Wetterdaten und Prognosen für die nächsten sechs Tage. Insbesondere profitieren Kunden von zeitnahen Unwetterwarnungen. Diese werden mittels einmaliger Panoramabilder von über 230 Livecam-Standorten in der Schweiz ergänzt. Die Wetter-Alarm-App wird bereits von 1,4 Millionen Personen regelmässig genutzt. Dank der schweizweiten Warnungen und Präventionstipps können Gebäudeschäden vermieden werden.
www.wetteralarm.ch

Eine weitere nützliche Website im Zusammenhang mit dem Schutz vor Naturgefahren am eigenen Haus ist «Schutz vor Naturgefahren ». Die Website bietet die Option, nach Ortschaften sortierte Informationen zum Gefährdungspotenzial von Rutschungen, Oberflächenabfluss, Hagel, Sturm, Schnee oder Erdbeben in der jeweiligen Gemeinde abzurufen.
www.schutz-vor-naturgefahren.ch