• News

Modernes Küchenensemble

11.01.2018     MORRIS BREUNIG dipl. Architekt FH, Faktor Journalisten, Zürich

Hightech bereichert das Wohnen und erhebt das Kochen zur neuen Lieblingsdisziplin. Küchen werden dabei zum Tollplatz für Gaumenfreuden mit technischer Finesse.

Die Küche hat sich vom funktionalen Raum zum zentralen Wohnbereich entwickelt. Smarte Lösungen unterstützen diesen Wandel. Moderne Einrichtungen sollen deshalb vor allem platzsparend sein und hohen Komfort bieten.

Geräte in Kommunikation

Durch zunehmende Vernetzung werden Küchengeräte zum aufeinander abgestimmten Ensemble. Siemens zeigt beispielsweise mit Home Connect, wie die Abstimmung zwischen Geräten erfolgen kann. Bereits vom Bett aus oder während der morgendlichen Badezimmerroutine lässt sich der Kaffeeautomat bequem über mobile Geräte vorprogrammieren, was Komfort und Flexibilität beträchtlich erhöht. Schon von unterwegs liesse sich der Backofen für das Abendessen vorheizen. Zusehends etablieren sich Sprachsteuerungen im Alltag. Deshalb ist bei Siemens ein mit Mykie betitelter Gesprächspartner fester Bestandteil von Home Connect und mit allen Küchengeräten vernetzt. Mykie führt beispielsweise Schritt für Schritt durch die Essenszubereitung oder informiert über aktive Haushaltsgeräte. Rezeptvorschläge und gemeinsames virtuelles Kochen mit Freunden gehören ebenfalls zu seinen Funktionen.

Kühlschrankinhalt stets im Blick

Kühlschränke sind ihrer ursprünglichen Funktion längst entwachsen. Mit der FridgeCam erlaubt Liebherr einen Blick auf die Lebensmittel im Kühlschrank. Die Kamera kann nachträglich im Kühlschrank installiert werden und macht bei jedem Schliessen der Türe ein Foto. Die dazugehörige App informiert während des Einkaufs über fehlende Lebensmittel und ermöglicht die mobile Steuerung von Kühlschrank und Gefriergeräten. Der Kühlschrank wird damit nahezu transparent. So erhalten Nutzer auch Rezeptempfehlungen zu den vorhandenen Lebensmitteln. Alarmmeldungen, Statusinformationen und Spracherkennungen erweitern die Geräte um moderne Funktionen.

Integrierte Dunstabzugshaube

Muldenlüftungen gehören zu den neuen Küchentrends. Dunst und Qualm können damit unmittelbar an der Quelle beseitigt werden. Der platzsparende «TwoInOne» von Miele eignet sich besonders für offene Wohnküchen. Eine integrierte Dunstabzugshaube unterteilt das 80 cm grosse Kochfeld in zwei Kochbereiche und ist lediglich über ein dünnes Lüftungsgitter erkennbar. Durch die permanente Topferkennung können einzelne Kochzonen bei grösseren Töpfen zusammengeschaltet werden. Der automatische Dunstabzug passt seine Leistung dem tatsächlichen Kochgeschehen an, aber erlaubt auch eine manuelle Regelung. Die Lüftungstechnik mit einem energieeffizienten und geräuscharmen Eco-Motor befindet sich hingegen im Unterschrank. Ausfahrbare Tischlüftungen sind ähnlich platzsparend. Sie verschwinden bei Nichtgebrauch in der Arbeitsplatte und verhindern eine Dunstübertragung in offenen Räumen. Miele bietet zudem eine speziell für intelligente Haushaltsgeräte entwickelte Baureihe an, wodurch die Dunstabzugshaube mit dem Kochfeld kommuniziert.

Entertainment für die Küchen

Dass auch der Unterhaltungsfaktor in Küchen steigt, zeigt Sony mit dem Projektor Xperia Touch. Durch integrierte Kamera und Infrarot-Sender kann jede ebene Fläche in einen über Gesten und Berührungen bedienbaren Touchscreen verwandelt werden. Mediale Aktivitäten können somit in jedem Bereich stattfinden.

Darüber hinaus bieten einige Hersteller beispielsweise Dunstabzugshauben an, in denen Lautsprecher für die musikalische Unterhaltung während des Kochens integriert sind.

Persönliche Daten als Voraussetzung

Obwohl stetige Vernetzung reizvoll erscheint, bleiben auch Zweifel hinsichtlich der Bekanntgabe von persönlichen Daten. Um funktionierende Abläufe zu ermöglichen, müssen Nutzer ihre Vorlieben preisgeben. Trotz vieler gegenteiliger Bekundungen ist die Weitergabe von Daten an Dritte weiterhin ein sensibles Thema. Unternehmen skizzieren zudem Nutzerprofile aus Gewohnheiten wie Schlafrhythmen oder Lieblingsgerichten. Das Aufschalten von Werbeflächen bei der nächsten App-Nutzung passend zu den sich im Kühlschrank befindenden Lebensmitteln tönt hierbei vergleichsweise harmlos. Wer sich davon jedoch nicht das Essen versalzen lässt, wird an technisch lebendigen Küchen Gefallen finden. Und so kommt das Lieblingsessen häufig nur noch durch das Zusammenspiel digitaler Assistenten auf den Tisch. Möglicherweise wartet im autonomen Kochen bereits der nächste Trend. Bis dahin wird erfreulicherweise noch einiges abgeschmeckt.