Eine grosse Hilfe für die Erben

31.05.2012

Damit kein Streit unter den Erben ausbricht, kann der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung einen Willensvollstrecker einsetzen, dies empfiehlt sich vor allem bei komplexen Familien- und Vermögensverhältnissen. Bild Alexander Raths/fotolia

Erben – Ein Willensvollstrecker macht für die Hinterbliebenen vieles leichter. Die zusätzlich anfallenden Kosten lohnen sich in den meisten Fällen.

Die Erbteilung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Erben sind damit oft überfordert – selbst wenn der Verstorbene seinen Nachlass in einem Testamentoder Erbvertrag geregelt hat. Häufig verzögert sich die Erbteilung und die Verwaltung des Nachlasses wird vernachlässigt. Das kann viel Geld kosten. Oder es bricht gar Streit unter den Erben aus. Der Erblasser kann solchen Problemen vorbeugen, indem er in seiner letztwilligen Verfügung einen geeigneten Willensvollstrecker einsetzt.

 

 

Zügige und gerechte Aufteilung des Nachlasses

 

Der Willensvollstrecker setzt das Testament oder den Erbvertrag durch und sorgt für eine rasche und kostengünstige Erbteilung. Die Einsetzung eines Willensvollstreckers empfiehlt sich vor allem bei komplexen Familien- und Vermögensverhältnissen – zum Beispiel bei einem grösseren Nachlass mit mehreren Liegenschaften oder einer Unternehmung – oder wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Erben sonst den letzten Willen des Erblassers missachten oder sich  zerstreiten würden. Ein Willensvollstrecker kann auch bei übersichtlichen Vermögensverhältnissen sinnvoll sein, und wenn kein Streit unter den Erben zu befürchten ist. Er entlastet die Erben in der Zeit der Trauerverarbeitung von administrativen Aufgaben und kümmert sich um alle finanziellen Belange.

 

Der Willensvollstrecker sorgt dafür, dass die Erbschaft optimal verwaltet und im Sinne des Erblassers geteilt wird. Er leitet alle notwendigen Massnahmen ein, damit die Erbschaft im Wert nicht geschmälert wird. Er unterhält beispielsweise Liegenschaften, sucht Nachmieter und schliesst Mietverträge ab, er treibt ausstehende Forderungen ein und bezahlt offene Rechnungen, er richtet Vermächtnisse aus, verkauft von einem Kursverfall bedrohte Wertpapiere und regelt Versicherungsfragen. Gleichzeitig bereitet der Willensvollstrecker die Erbteilung vor und führt sie durch. Er stellt das Nachlassvermögen fest. Er ermittelt dazu den aktuellen Wert von Liegenschaften im Nachlass und führt bei verheirateten Erblassern die güterrechtliche Auseinandersetzung durch. Anschliessend macht er einen Teilungsvorschlag, gestützt auf die Anordnungen des Erblassers. Eine weitere wichtige Aufgabe des Willensvollstreckers ist es, zwischen den Erben zu vermitteln. Er sucht bei Streitigkeiten unter den Erben kompromissfähige Lösungen, um die Teilung der Erbschaft nicht zu gefährden.

 

 

Interessenkonflikte vermeiden

 

Einen Willensvollstrecker sollte man sehr sorgfältig auswählen. Grundsätzlich ist jede Person oder Institution befugt, das Amt eines Willensvollstreckers auszuüben. Ein Willensvollstrecker sollte sich jedoch mit Geldanlagen, Steuern, Liegenschaften, Versicherungen und im Erbrecht auskennen. Es genügt allerdings nicht, wenn er in finanziellen Angelegenheiten kompetent ist. Er muss von den Erben auch möglichst gut akzeptiert sein und gleichzeitig unabhängig bleiben. Es kann problematisch  sein, eine Einzelperson als Willensvollstrecker einzusetzen. Wenn sie vor dem Erblasser oder noch während der Erbteilung stirbt, sind die Erben auf sich allein gestellt. Manche Erblasser bestimmen als Willensvollstrecker einen Erben, einen nahen Verwandtenoder Freund. Erben haben immer auch Eigeninteressen, und die Nähe eines Verwandten oder Freundes zu einzelnen Familienangehörigen kann zum Problem werden, wenn sie eine neutrale Optik verunmöglicht. In der Regel fehlt diesen Personen auch das fachliche Wissen, das vor allem bei komplexen Sachverhalten notwendig ist. Beauftragt der Erblasser eine neutrale Fachperson oder Institution mit der Willensvollstreckung, ist die Neutralität gewahrt und die Erben haben jemanden, der Lösungen vorschlägt, die für alle tragfähig sind. Dafür lohnen sich auch die anfallenden Kosten.

 

 

Angemessenes Honorar

 

Der Willensvollstrecker hat Anspruch auf eine angemessene Entschädigung. Professionelle Willensvollstrecker verlangen für ihre Dienste ein Honorar nach Stundenaufwand oder eine pauschale Entschädigung von ein bis drei Prozent des Bruttovermögens. Das Bundesgericht hat entschieden, dass eine Entschädigung in Prozenten des Nachlassvermögens oder der Aktiven nicht in jedem Fall zulässig ist. Ein Honorar, das sich nach der aufgewendeten Zeit und nach einem berufsüblichen Stundenansatz richtet, ist in den meisten Fällen für alle Beteiligten fairer.

 

Von: Marc'Antonio Iten, Dr. iur., Nachlass-Experte, VZ VermögensZentrum Zürich