Wertsachen unter den Erben versteigern

23.03.2012

Die Frage nach der gerechten Verteilung von Antiquitäten, kostbarem Mobiliar, Kunstgegenständen, Gemälden und Schmuck führt oft zu Streit unter den Erben – eine Auktion kann dem unter Umständen vorbeugen. Bild Esther Wagner/Fotolia

Nachlass – Wertvolle Gegenstände aus einer Erbschaft lassen sich mit einer Auktion unter Erben fair aufteilen.

 

Bei Erbteilungen tritt häufig das Problem auf, dass gleich mehrere Erben ein Interesse an denselben, meist wertvollen Gegenständen eines Nachlasses haben. Die Frage nach der gerechten Verteilung von Antiquitäten, kostbarem Mobiliar, Kunstgegenständen, Gemälden und Schmuck bietet oft Anlass zu Streit. Unter Umständen gefährden solche scheinbaren Kleinigkeiten die ganze weitere Abwicklung der Erbteilung. Eine Auktion innerhalb der Erbengemeinschaft kann eine sinnvolle Lösung sein, in der die strittigen Posten unter den Erben versteigert werden.

Als Grundlage für den Auktionskatalog dient das steuerrechtliche Nachlassinventar. Darin werden alle Vermögensgegenstände aus der Erbschaft mit ihrem Verkehrswert ausgewiesen. Erkennbar wertvollen Hausrat lässt man am besten vorgängig durch einen Sachverständigen einschätzen. Das kann ein Auktionator oder ein Galerist sein, wesentlich günstiger ist freilich ein unabhängiger und kompetenter Experte. Aus dem Schätzungsinventar werden zunächst diejenigen Gegenstände gestrichen, für die der Erblasser Teilungsvorschriften erlassen hat. Die verbleibenden Objekte kommen in die Versteigerung.


Für das Auktionsverfahren vereinbaren die Erben einfache, aber verbindliche Spielregeln. So soll es beispielsweise für jedes Objekt nur einen Durchlauf geben. Den Zuschlag erhält, wer das höchste Gebot abgibt. Bietet niemand, kann der Gegenstand von jedem Erben übernommen werden, ohne dass ihm ein Sachwert angerechnet wird. Was nicht weggeht, kann immer noch für karitative Zwecke verwendet oder gar entsorgt werden.


Organisation und Ort der
 Auktion

Die Auktionsleitung übernimmt idealerweise eine neutrale Person. Möglicherweise hat der Erblasser einen Willensvollstrecker ernannt, der ohnehin die gesamte Erbteilung organisiert. Geeignet ist aber auch ein unparteiischer Erbenvertreter, beispielsweise ein Anwalt oder ein Notar, kurz: jemand, der die notwendige Kompetenz, Infrastruktur und Unabhängigkeit mitbringt. Eine Auktion unter Erben findet in der Regel dort statt, wo sich die zu versteigernden Gegenstände befinden, also entweder in der Wohnung des Erblassers oder bereits in einem Warenlager. Auch Geschäftsräume des Auktionsleiters oder das Wohnzimmer eines der Erben wären mögliche Orte. Sind alle Erben damit einverstanden, dürfen auch ihre Ehegatten oder Lebenspartner an der Versteigerung teilnehmen. Die Erfahrung zeigt, dass auf diese Weise oftmals zusätzlicher Zündstoff vorzeitig entschärft werden kann.


Nicht ganz einfach: Gegenseitige Ausgleichszahlungen

Der Auktionator hält sämtliche Erlöse fest, damit im Anschluss an die Auktion der gegenseitige Erbausgleich berechnet werden kann. Schliesslich steht jedem Erben nur eine bestimmte Quote an der Erbschaft zu. Den Gesamtwert, für den ein Erbe Gegenstände ersteigert hat, muss er nicht in bar begleichen. Erst im Zuge der Erbteilung wird der Betrag auf seinen Erbanteil angerechnet, so dass er entsprechend weniger Geld bekommt. Hat ein Erbe bei der Auktion so viele oder teure Gegenstände erworben, dass diese seinen Erbteil übersteigen, muss er den überschüssigen Betrag proportional an seine Miterben auszahlen.


Ein Beispiel verdeutlicht die Berechnung. Aus einem Nachlass werden unter den Erben, einer Mutter und ihren beiden Töchtern, vier Antiquitäten versteigert. Der Mutter steht die Hälfte, jeder Tochter ein Viertel des Erlöses zu. Eine unabhängige Kunstexpertin hat den Gesamtwert auf 20 000 Franken geschätzt. Dann geht es in die Auktion. Die jüngere Tochter hat an keinem der Gegenstände Interesse und möchte ihren Anteil in bar ausbezahlt bekommen. Die Mutter und die ältere Tochter ersteigern die vier Antiquitäten, allerdings unter dem Schätzwert. Der Steigerungserlös beläuft sich daher nur auf 16 000 Franken. Der Mutter steht davon die Hälfte, also 8000 Franken, zu. Da sie in der Versteigerung Gegenstände für 6000 Franken ersteigert hat, verbleiben für sie noch 2000 Franken in bar. Die ältere Tochter, der ein Viertel oder 4000 Franken zusteht, hat für 10 000 Franken Gegenstände ersteigert. Sie muss 6000 ausgleichen, davon gelangen 4000 Franken an die jüngere Schwester und 2000 an die Mutter. In der Erbteilung werden diese Werte den einzelnen Erben an ihren Erbanteil angerechnet, so dass faktisch kein Geld fliesst.

Von: Marc'Antonio Iten, Dr. iur., Nachlass-Experte, VZ VermögensZentrum Zürich

Kurs zum Thema

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■ Mi, 06.06.2012, 18.00–19.00 Uhr, BRL Bahnhofrestauration, Luzern 

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