Was beim Verfassen eines Testaments oft nicht bedacht wird

15.12.2011

In einem Testament kann festgehalten werden, wer welchen Anteil der Hinterlassenschaft erben soll. Die Pflichtteile des Ehepartners und der Nachkommen

Erben – In einer letztwilligen Verfügung lässt sich vieles regeln, sogar ob der Erbe das Geld verbrauchen darf und an wen er es nach seinem Tod weitergeben muss.

Vorausschauende Menschen überlassen es nicht dem Zufall, was mit ihrem Hab und Gut nach dem Tod geschieht. Die gesetzliche Erbfolge, die immer dann zur Anwendung kommt, wenn nichts anderes geregelt wurde, entspricht oft nicht den eigenen Wünschen. Sie richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad und nicht danach, wie nahe jemand der verstorbenen Person stand. Nichtverwandte, etwa die Lebenspartnerin oder Stiefkinder, gehen leer aus. Auch der Ehepartner kann in Bedrängnis geraten, wenn die übrigen gesetzlichen Erben – in erster Linie die Kinder – auf der Herausgabe ihres Anteils am Nachlassvermögen bestehen. In einem Testament kann man festlegen, wer welchen Anteil der Hinterlassenschaft erben soll. Die Pflichtteile des Ehepartners und der Nachkommen müssen jedoch stets eingehalten werden. Wenn keine Nachkommen da sind, haben auch die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil. Als Erben einsetzen kann man nicht nur lebende Personen, sondern auch Kinder, die bereits gezeugt, aber noch nicht geboren sind, Institutionen (z. B. Stiftungen, Vereine) und Tiere. Wird ein Tier in einem Testament bedacht, müssen die anderen Erben für die artgerechte Haltung sorgen oder einen entsprechenden Betrag für die Pflege des Tieres einsetzen.

 

 

Das Erbe über den Tod hinaus steuern

 

Viele wissen nicht, dass sie in einer letztwilligen Verfügung nicht nur festlegen können, wer das Vermögen unmittelbar erbt, sondern auch, an welche Nacherben es nach dem Tod dieser Vorerben gehen soll – mit Ausnahme der Pflichtteile, die den jeweiligen Erben uneingeschränkt zustehen. Der Vorerbe darf  das Vermögen, das mit einer Nacherbschaft belastet ist, nur verwalten und die Erträge daraus behalten. Soll der Vorerbe das Geld auch aufbrauchen dürfen, muss ihn der Erblasser im Testament von der Sicherstellungspflicht befreien. Nacherben einzusetzen ist oft sinnvoll für Konkubinatspaare und Patchwork-Familien. Damit lässt sich sicherstellen, dass das Vermögen nach dem Tod des Vorerben nicht an seine gesetzlichen Erben fällt, sondern in der eigenen Familie bleibt.

 

 

Vorschriften für die Teilung

 

Erblasser können zudem mit Teilungsvorschriften regeln, wer welche Vermögenswerte aus dem Nachlass erhalten soll. Ohne solche Vorschriften kann die Erbteilung langwierig, aufreibend und teuer werden. Die Erben müssen dann nämlich untereinander ausmachen, wer zum Beispiel das kostbare Gemälde, die Ferienwohnung oder das Auto erhält. Eine Teilungsvorschrift ist vor allem für den überlebenden Ehepartner sinnvoll, da er nur auf das gemeinsam bewohnte Heim und das gemeinsame Mobiliar ein Vorrecht hat. Wer seinem Ehepartner weitere Vorrechte einräumen will, kann dies etwa mit folgender Klausel im Testament tun: «Ich räume meiner Frau das Recht ein, die von ihr gewünschten Vermögensteile unter Anrechnung an ihren Erbteil aus dem gesamten Nachlass auszuwählen.»

 

 

Auflagen und Bedingungen für die Erben

 

Anordnungen in einem Testament lassen sich an Auflagen oder Bedingungen knüpfen, die jedoch weder unsinnig, unmöglich zu erfüllen noch gesetzwidrig sein dürfen. Eine Bedingung könnte beispielsweise lauten, dass der Cousin das Geld nur erhält, wenn er minderjährige Kinder hat. Bei einer Auflage hingegen ist nicht sichergestellt, dass sie auch erfüllt wird. Lautet die Auflage etwa, dass der Bedachte das Haus nicht verkaufen darf, kann er es trotzdem tun, solange niemand gerichtlich dagegen vorgeht. Pflichtteilsgeschützte Erben müssen sich auf ihrem Pflichtteil weder Auflagen noch Bedingungen gefallen lassen.

 

Von: Karin Dubs Nachlassexpertin beim VZ VermogensZentrum in Zürich