• Wem gehören die Schweizer Immobilien?

Wem gehören die Schweizer Immobilien?

16.02.2018     KATHRIN STRUNK MSc Business & Economics Ökonomin Volkswirtschaft und Immobilienmarkt beim HEV Schweiz

Immobilienmarkt – 60 Prozent der Schweizer wohnen in einer Mietwohnung. Diese gehören zur Hälfte Privatpersonen, wie eine Auswertung des Bundesamtes für Statistik zeigt.

In der Schweiz werden 1,7 Millionen Gebäude zum Wohnen genutzt. In ihnen befinden sich mehr als 4,4 Millionen Wohnungen. Rund 989 000 oder 57 Prozent aller Gebäude sind Einfamilienhäuser. Vergleicht man die Anzahl Einfamilienhäuser mit der Gesamtzahl Wohnungen, so machen die Einfamilienhäuser nur circa einen Viertel im Vergleich zu Letzteren aus. Die Einfamilienhäuser beherbergen 27 Prozent der Einwohner.

26 Prozent der Gebäude sind Mehrfamilienhäuser, während es sich bei den verbleibenden Gebäuden um solche mit einer teilweisen Wohnnutzung handelt. Das können beispielsweise Bürohäuser sein, in denen sich auch Wohnungen befinden. Mehr als die Hälfte der Einwohner wohnt gemäss dem Bundesamt für Statistik in einem Mehrfamilienhaus.

Ein Vergleich der Eigentumsverhältnisse ergibt, dass 38 Prozent der Wohnungen von ihren Eigentümern selbst bewohnt werden. In diese Kategorie gehören Einfamilienhäuser wie auch Eigentumswohnungen, von denen es etwas mehr als 400 000 Einheiten gibt. Auch wenn der Anteil Wohneigentümer in den letzten Jahren angestiegen ist, wohnt die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich 62 Prozent, in Mietwohnungen.

Die Hälfte der Mietwohnungen gehört Privatpersonen

Gemäss einer im Januar 2018 publizierten Erhebung des Bundesamtes für Statistik gehört etwa die Hälfte der Mietwohnungen privaten Eigentümern. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2000 waren es noch 57 Prozent. Während der Anteil Privatpersonen, die Wohnungen vermieten, also leicht abgenommen hat, scheinen heute vor allem Baufirmen sowie institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder Immobilienfonds mehr Mietwohnungen zu besitzen. Gemeinsam halten diese Eigentümergruppen beinahe 40 Prozent des Bestandes. Die Wohnbaugenossenschaften besitzen immerhin acht Prozent der Mietwohnungen, während der Anteil der öffentlichen Hand mit vier Prozent sehr klein ist.

Regionale Unterschiede

Interessanterweise unterscheiden sich die Besitzverhältnisse in einzelnen Regionen relativ stark vom schweizerischen Durchschnittswert. So bestehen nicht nur bei der Wohneigentumsquote grosse Unterschiede – in Basel gibt es 16 Prozent Wohneigentümer, im Kanton Wallis 57 Prozent –, sondern auch bei den Besitzern von Mietwohnungen. Im Tessin sind über 70 Prozent der Mietwohnungen im Besitz von Privatpersonen, während dies in der Genferseeregion nur gerade bei 40 Prozent der Fall ist. Gerade in dieser Region ist der Anteil an privaten Vermietern seit der letzten Erhebung um zehn Prozentpunkte gesunken. Die vergleichsweise strengen Mietvorschriften der Kantone Genf und Waadt dürften erheblich dazu beigetragen haben. Der Aufwand für die Vermietung einer Wohnung wird immer grösser und komplexer – zudem ist viel Fachwissen erforderlich.

In der Region Zürich sind die Wohnbaugenossenschaften stark: Hier besitzen sie beinahe 13 Prozent der Wohnungen – im schweizerischen Durchschnitt sind es nur acht Prozent.

Bauperiode und Eigentümertyp

Betrachtet man die Bauperiode der Wohnungen sowie den Eigentümertyp ergeben sich ebenfalls Unterschiede: Wohnungen, die vor 1946 gebaut wurden, gehören zu 68 Prozent privaten Personen. Hingegen sind Wohnungen, die nach 2000 gebaut wurden, nur zu 40 Prozent in privatem Besitz. Bei den institutionellen Besitzern verhält es sich gerade umgekehrt. Sie besitzen einen grösseren Anteil an neuen Wohnungen.

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich auch bei der Wohnungsgrösse, wenn auch nicht so ausgeprägt. Tendenziell sind grosse Wohnungen mit fünf oder sechs Zimmern eher im Besitz von Privatpersonen als kleine Wohnungen. Daraus lässt sich schliessen, dass die professionellen Investoren vor allem während des Baubooms der letzten 20 Jahre eine wichtige Rolle gespielt haben. In den letzten vier bis fünf Jahren dürften auch die tiefen Renditen ein Grund für vermehrte Investitionen in den Immobilienmarkt gewesen sein.

Auch wenn der Anteil privater Eigentümer von Mietwohnungen in den letzten Jahren etwas zurückgegangen ist, bilden die Privaten noch immer die grösste Gruppe an Vermietern. Zusammen mit den von Eigentümern selbst bewohnten Wohnungen sind gesamthaft 65 Prozent aller Wohnungen in der Schweiz im Besitz von Privatpersonen.